So wie wir waren
(The Way We Were)
USA 1973, 118 Minuten
Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: Arthur Laurents
Musik: Marvin Hamlisch
Director of Photography: Harry Stradling Jr.
Montage: John F. Burnett
Produktionsdesign: Stephen B. Grimes

Darsteller: Barbra Streisand (Katie Morosky), Robert Redford (Hubbell Gardner), Bradford Dillman (J. J.), Lois Chiles (Carol Ann), Patrick O’Neal (George Bissinger), Viveca Lindfors (Paula Reisner)

Verschlungene Pfade

„Mem'ries,
Light the corners of my mind
Misty water-colored memories
Of the way we were
Scattered pictures,
Of the smiles we left behind
Smiles we gave to one another
For the way we were
The way we were.“
(1)

Ein Film mit der Streisand lebt von der Streisand. Diese „Erkenntnis“ trifft – wenn überhaupt – auf den 1973 von Sydney Pollack gedrehten Streifen „The Way We Were“ sicherlich zu. Die Streisand bzw. die Rolle, die sie spielt, ist das Zentrum dieses Films und dessen Peripherie. Sie und ihr Spiel ist in allen Poren der Handlung zu spüren. Und Kritiker sind mit Pollacks Film nicht gerade zimperlich umgegangen. Da war die Rede von Schnulze, Verharmlosung der McCarthey-Ära, aber auch von den Konflikten, die sich ergaben, weil die beiden Hauptdarsteller Streisand und Redford sich auf den Tod nicht ausstehen konnten. Da war auch die Rede von den Konflikten mit dem Produzenten des Films, und davon, Pollack habe sich auf ein Minimum an Regiearbeit zurückgezogen. Einen „typischen Frauenfilm“ nannte man „The Way We Were“ – wobei ich bis heute nicht weiß, was ein „typischer Frauenfilm“ eigentlich ist: „Sissi“ vielleicht? Und was ist eine „typische Frau“? Man merkt: So kommt man nicht weiter – auch nicht mit diesem, ich sage es vorweg, wunderbaren Film aus einer Zeit, in der man Charakterdarstellungen noch schätzte. Und auch der weit verbreitet zu lesenden Meinung, Redford spiele hier völlig reduziert, kann ich nur entgegnen, dass solche Behauptungen an der Rolle, die er als Gegenpart zur Streisand zu spielen hatte, schnurstracks vorbeigehen.

Die späten 30er Jahre an einer Universität in Amerika. Studenten aller Art und Herkunft treiben sich – scheinbar sorglos – am Campus herum, darunter auch Katie (Barbra Streisand), jüdischer Herkunft und Mitglied einer kommunistischen Studentenliga, und Hubbell, aus reichem Elternhaus und einer der vielen zu dieser Zeit, die man W.A.S.P. nannte: White Anglo-Saxon Protestants – Menschen weißer Hautfarbe, protestantischen Glaubens und englischer Herkunft, Menschen, die sich für die wahren, ursprünglichen Amerikaner hielten, zumeist aus begüterten Elternhäusern stammten und sich für das, was in der Welt oder auch nur um sie herum geschah, wenig interessierten. Ihr Interesse galt vor allem: sich selbst und ihrer Karriere nach dem Studium.

Genau dieser Konflikt zwischen einer jungen, politisch engagierten Frau wie Katie und einem jener W.A.S.P.s, Hubbell, bildet das Zentrum der von Arthur Laurents geschriebenen Geschichte.

Während sich Hubbell – immer in vornehmer Zurückhaltung übend – mit seinen Freunden auf Cocktail-Partys und in Bars herumtreibt und man sich mehr oder weniger gelungene Witze über die Gattin des Präsidenten Roosevelt und andere erzählt, treibt Katie etwas anderes umher. Sie wettert gegen Franco und dessen Versuch, die republikanischen Kräfte in Spanien zu vernichten, gegen Hitler und Mussolini und die Gefahr eines Krieges.

Entscheidend aber ist, wie sie das macht. Als sie auf einer studentischen Versammlung unter freiem Himmel ihre Kommilitonen zu engagieren versucht, da greift sie nicht zu platten parteipolitischen Parolen. Es ist ihre Ausstrahlung, ihr natürlicher Charme und in gewisser Weise auch ihre Unbeholfenheit, wirklich etwas ausrichten zu können, die die anderen (mehr oder weniger) begeistert – auch Hubbell. Als Katie Hubbell das erste Mal wahrnimmt, ist es um sie geschehen. Sie verliebt sich in ihn – obwohl sie weiß, welche Welten sie von ihm trennen.

Sie schleppt ihn – er völlig betrunken, aber nicht laut – mit zu sich nach Hause. Und als Hubbell in ihr Bett fällt, zieht sie sich leise aus, legt sich neben ihn, bis er – ohne davon am anderen Morgen noch etwas zu wissen – mit ihr schläft.

Beide lernen sich kennen. Und es ist einfach nur wundervoll anzusehen, wie die Streisand in ihrer Rolle versucht, Hubbells Interesse an ihr zu wecken.

Jahre später sehen sie sich wieder – eine Szene, mit der der Film beginnt, in der sich Katie an die 30er Jahre erinnert –, in einer Bar, und werden ein ungleiches Paar. Inzwischen schreibt Hubbell, dessen Kurzgeschichten Katie schon immer mochte, wenn auch kritisch beäugte, Drehbücher – und der nächste Konflikt zwischen beiden bahnt sich an: Soll Hubbell seine Drehbücher in Hollywood anbieten? Er tut es, auch wenn Katie dagegen ist – und so gehen beide nach Hollywood. Und Katie passt sich – mehr unwillig – dem Bekanntenkreis Hubbells an – bis beide in die Konflikte der McCarthy-Ära geraten. Und auch hier wird wieder deutlich, wie unterschiedlich beide empfinden. Während Katie den Kampf mit anderen gegen den Verfolgungswahn des Komitees gegen „unamerikanische Umtriebe“ aufnimmt, dem auch viele Künstler zum Opfer fielen, passen sich Hubbell und andere den Vorgaben McCarthys an. Sie streichen Szenen und Dialoge, verhalten sich ruhig und passiv. Als Hubbell sich dann noch mit der Frau eines Freundes immer wieder trifft und ins Bett geht, ist die Trennung beider vorprogrammiert ...

Pollack zeigt eine Frau, deren Mitgliedschaft zu einer kommunistischen Studentenliga eher eine unwichtige Einzelheit in deren Leben darstellt. Es ist nicht so sehr der Kommunismus, der Katie treibt, sondern der Unwille, Ungerechtigkeit, Krieg und Vernichtung, Verfolgung und Intrigen hinzunehmen. Katie ist eine Kämpfernatur – aber nicht von jener Art dogmatischer Verblendung, wie sie viele auch umhertrieb. Katie steht für eine Frau, der die Menschlichkeit und das Mitgefühl im wahrsten Sinn des Wortes ins Herz verpflanzt wurde. Katie kennt in dieser Hinsicht keine Kompromisse, und immer wieder versucht sie Hubbell – zumeist vergeblich –, davon etwas zu vermitteln. Ihre Liebe zu diesem Mann überdauert sogar beider Trennung, wie der Schluss des Films mehr als verdeutlicht. Aber die Streisand spielt diese Katie auch als eine Frau, die von vielen Hoffnungen getragen wird, die enttäuscht werden. Sie weiß innerlich selbst, dass sich Hubbell nie ändern wird. Und sie weiß, dass sich vieles nicht ändern wird, wogegen sie kämpft.

So zeigt Pollack in der Geschichte dieser Liebe einen Konflikt der Generationen im damaligen Amerika, der allerdings bis heute fortwirkt – etwa in dem Gegensatz zwischen einer aufgeklärten Mittelklasse im Osten und Westen hier und den evangelistischen Fundamentalisten des mittleren Westens und Südens der USA, die Bush an die Macht gebracht hatten. Pollack zeigt den genannten Konflikt als einen persönlichen Konflikt, in dem aber doch fast alle politischen, sozialen und mentalitätsbedingten Gegensätze sichtbar werden.

„Can it be that it was all so simple then?
Or has time re-written every line?
If we had the chance to do it all again
Tell me, would we? Could we?
Mem'ries, may be beautiful and yet
What's too painful to remember
We simply choose to forget
So it's the laughter
We will remember
Whenever we remember...
The way we were...“ (2)

Den Eifer, den Katie an den Tag legt, um Hubbell zu einem anderen Denken und Handeln zu bringen, ist anfangs groß. Man merkt der Streisand-Katie aber auch an, dass ihr später bewusst wird, wie wenig sie ausrichten kann, wenn Hubbell selbst sich von sich aus nicht ändert – und das kann er offensichtlich nicht.

Dass der Film mit einer Verharmlosung der McCarthy-Ära verbunden wäre, kann ich beim besten Willen nicht sehen – zumal die meisten Amerikaner – zumindest 1973 – über diese Ära genau Bescheid gewusst haben müssen. Die Folgen dieser Verfolgungspolitik war für viele Menschen gegenwärtig, insbesondere im Kultursektor, der von den Peinigern McCarthys besonders drastisch ins Visier genommen worden war. Das Thema das Films ist auch nicht die McCarthy-Ära, sondern die Art und Weise, wie unterschiedlich sich Menschen in einer solchen Situation verhalten können.

„The Way We Were” ist sicherlich ein romantischer Film, genauso sicher aber keine „Schnulze” im Sinne vieler romantischen Komödien der letzten Jahre, zumal die Romantik des Films durch die unterschiedliche Mentalität der beiden Hauptfiguren immer wieder gebrochen wird und – das kommt als wesentliches Element hinzu – die Streisand diese Romantik überzeugend verkörpern kann – als eine Frau, deren Zuneigung zu Hubbell überzeugend dargestellt wird und ganz ohne klischeehafte Stereotypen auskommt. Ihr Lächeln, ihre Verzweiflung, ihre Freude, ihre Furcht – das alles ist die Streisand als Katie und eben als Streisand: fantastisch. Sie trägt den Film, aber auch Redford trägt den Film, gerade durch seine zurückhaltende Art, die eben zu dieser Figur des Hubbell gehört.

So wird Romantik zu einem realen Teil des realen Lebens, weil sie eben in der Realistik des Handelns aufgehoben ist und nicht als Stereotyp das reale Leben überwuchert, nicht mehr sichtbar macht oder gar ignoriert.

Für mich gehört „The Way We Were” zu den besten (auch romantischen) Filmen der 70er Jahre.

© Bilder: Sony Pictures. Screenshots von der DVD.

(1) Barbra Streisand: The Way We Were.

(7. April 2008)